Dafür hat Alexandra Steinkraus uns sieben Einblicke in Klimaauswirkungen und Frieden gegeben.
Einblick 1: Die Risiken, die der Klimawandel für internationalen Frieden und Sicherheit birgt, sind real und präsent, allerdings gibt es keine einfache, kausale Verbindung. Der Klimawandel ist schon lange mehr kein Konzept der Zukunft und beeinträchtigt auch heute schon bestimmte sicherheitspolitische Aspekte. Allerdings gibt es keinen einen, simplen Grund, auf den man sich fokussieren kann, wordurch die Prävention sowie die Visualisierung der Gefahr erschwert wird.
Einblick 2: Der Klimawandel beeinflusst den Wettkampf und Konflikte bezüglich natürlicher Ressourcen wie Land und Wasser. Der Klimawandel kann die Verfügbarkeit und den Zugang zu Ressourcen verändern, was zu Spannungen und einem erhöhten Wettbewerb führt. Dieser Prozess kann zu einer Eskalierung von Gewalt führen, falls Institutionen, die für die Sicherung der Ressourcen und Konfliktmanagement zuständig sind, dysfunktional sind.
Einblick 3: Klimawandel beeinflusst schon gefährdete Leben, menschliche Mobilität und drängt Menschen dazu, damit auf illegale Weise umzugehen. Falls Menschen in Notsituationen nicht adäquat versorgt werden, sind sie anfälliger dafür, die Missstände durch illegale Tätigkeiten aufzubessern. Dies gibt allerdings kriminellen Gruppen mehr Macht und kann auch Migration fördern.
Einblick 4: Der Klimawandel fördert extrem ansteigende Essenspreise sowie Nahrungsmittelunsicherheit. Unter einem sich wandelnden Klima leidet schnell die Landwirtschaft, was zu extrem hohen Preisen für Nahrungsmittel führt. Dadurch steigt wiederum die Gefahr für (gewalttätige) Demonstrationen und politische Instabilität.
Einblick 5: Extremwetter fordert effektive und legitime Regierungsmaßnahmen. Wetterkatastrophen, wie zum Beispiel Überschwemmungen, reißen ein Land schnell in Unruhe. In solchen Situationen muss die Regierung schnell und effektiv handeln. Wenn die besagte Regierung schon zuvor umstritten war (z.B. nicht legal an die Macht gekommen ist und so nicht vom Volk unterstützt wird) und nicht adäquat auf den Notstand reagiert, erweitert dies die Wut des Volkes und dementsprechend auch die politische Instabilität des Landes.
Einblick 6: Unbeabsichtigte Konsequenzen von schlecht organisierten Klima- und Sicherheitsstrategien tragen eigene Risiken mit sich. Die Verbindung von Klima und Sicherheit müssen schon bei der Entwicklung von präventiven Maßnahmen berücksichtigt werden, da es sonst selbst bei ansonsten durchdachten Sicherheitsplänen ungeplante Konsequenzen geben kann.
Einblick 7: Klimabezogene Sicherheitsrisiken sind besonders dort wichtig, wo Regierungsstrategien schwach oder am Scheitern sind. Wie schon oben erwähnt, hängt der Umgang mit Klimakatastrophen stark von der Fähigkeit und Stabilität der betroffenen Regierung ab. Funktioniert die Regierung nicht, wird eine effektive Antwort auf die Katastrophe immer unrealistischer.
Der zweite Teil des Vortrags hieß “UNFCCC COP30 - What’s at Stake?”. Hier stand zuerst der geopolitische Kontext der Klimakonferenz im Vordergrund, unter anderem auch die derzeitige Trumppräsidentschaft, der Rechtsruck bei den letzten EU-Wahlen, der aktuelle wirtschaftliche Kampf rund um Zölle und die insgesamt zurückgehende Kooperation der internationalen Welt in Bezug auf Klimaschutzmaßnahmen. Bei der diesjährigen COP ging es um die Abgabe neuer NDCs (Nationally Determined Contributions), der Entwicklung eines neuen kollektiven quantifizierten Zieles zum Klimaschutz und die Vorstellung der zweijährigen Transparenzberichte. Im Vorfeld der COP30 hatten nur ein Drittel der Nationen einen neuen NDC abgegeben. Die EU verpflichtete sich, ihre Emissionen um 66.25% bis 72.5% im Vergleich zu 1990 zu senken, China nur um 7 bis 10% im Vergleich zu ihren vergangenen Spitzenpegeln.
Russland hat nicht vor, sich von Öl und Gas zu trennen und andere Nationen, die zu einem Großteil der Umweltverschmutzung beitragen, wie zum Beispiel Indien und Saudi Arabien, hatten keine NDCs eingereicht. Kleinere Länder wie Angola betonten in ihren NDCs, dass eine weitere Einschränkung der Emissionen ohne finanzielle Hilfe nicht möglich sei. Die Frage, ob wir auf dem richtigen Weg zu einer klimafreundlichen Welt wären, wurde prompt verneint. Allerdings gibt es auch einige positive Nachrichten, zum Beispiel dass im letzten Jahrdie Grenze von 2 Trillionen USD, welche in nachhaltige Energien investiert wurden, geknackt wurde. Das ist doppelt so viel wie die Investitionen in fossile Energien. Eine weitere positive Seite wurde bei der Diskussion beleuchtet, wo Frieden in der Konferenz seinen Platz findet. Ana Toni, die CEO der diesjährigen COP, betonte, dass der Kampf um Klimasicherheit der größte sei, den wir in den nächsten 100 Jahren führen würden. Passend dazu gab es während der Konferenz mehr Events rund um das Thema Sicherheit und Frieden
als erwartet, wobei auch die Möglichkeit einer qualifizierten Finanzierung nicht ausgelassen wurde. Zum Thema der internationalen Verantwortungen war Alexandra Steinkraus der Meinung, dass die Entscheidung des International Court of Justice (ICJ), dass das 1.5 Grad Celsius Ziel der Pariser Klimaverträge rechtlich bindend ist, ein großer Erfolg sei. Die Meinung des ICJ ist zwar nicht direkt rechtlich bindend, trägt aber trotzdem eine große Macht und politische Legitimität mit sich.
Der dritte Teil der Veranstaltung konzentrierte sich auf Möglichkeiten, wie Klimasicherheit im realen Leben umgesetzt wird. Hier wird ein großer Fokus auf nachhaltige Lösungen gelegt, welche Klimaresilienz in Friedensstrategien implementiert. So ist adelphi zum Beispiel Teil eines Peace Pillars, wo fünf Projekte geplant wurden, um genau dies zu tun. Die Partnerorganisationen von adelphi sind hierbei die ‘Berghof Foundation’, the ‘European Institute of Peace’, the ‘Centre for Humanitarian Dialogue’ und ‘german cooperation - Deutsche Zusammenarbeit’. Aktivitäten dieser Kollaboration sind unter anderem Pläne zur Überwachung und Evaluation, welche zu einer Verbesserung des Verständnisses der aktuellen Situation beitragen. Es gibt durch erste Ergebnisbewertungen jetzt schon erste Beweise, integriertes Programmieren zu einer erhöhten Kooperation bei dem Aufbau von Klimaresilienz führen, erste Iterationen dieser Bewertungen wurden im Sommer 2025 veröffentlicht. Durch offene Kollaboration und den Austausch innerhalb der Gruppen wird ein vertrauensvolles Umfeld aufgebaut. Ein anderes wichtiges Mittel sind ‘impact stories’, mit welchen bestimmte Veränderungen durch die Projekte hervorgehoben werden. Die Evaluationen haben ergeben, dass die Integration von Klimaresilienz in Sicherheits- und Friedensaspekte nicht nur möglich ist, sondern viel Sinn ergibt, da es unter anderem zu einem schlaueren Ressourcenmanagement führt und resilientere Gemeinschaften fördert. Zum Schluss wurden uns Websiten empfohlen, wo man bei Interesse mehr über die verschiedenen Projekte erfahren kann.
Diese sind:
climate-diplomacy.org/start
climate-security-expert-network.org
weatheringrisk.org/en
Bei weiteren Fragen über die Themen Klimadiplomatie und -sicherheit ist Alexandra Steinkraus über steinkraus@adelphi.de erreichbar.
Wir bedanken uns ganz herzlich bei ihr für den spannenden Vortrag und den darauffolgenden Austausch, wo noch viele Fragen rund um die COP30 geklärt werden konnten.
Autorin: Charlotte Rickert




