Workshop Grundlagen der Wahlbeobachtung am Beispiel Moldau

„Eine Wahlbeobachtung steht immer nur für sich. Im besten Fall wird sie mit Handlungsempfehlungen an die Politik verknüpft.“ Und es sind insbesondere diese Handlungsempfehlungen, die dem Schutz einer der höchsten Ausdrucksformen der Demokratie dienen: der allgemeinen, unmittelbaren, freien, gleichen und geheimen Wahl.

Wie das in der Praxis aussieht, weiß Fabian Jung, Wahlbeobachter im Auftrag des Zentrums für Internationale Friedenseinsätze (ZIF), ganz genau. Er war bereits auf mehreren Missionen im Einsatz, zuletzt anlässlich der Präsidentschaftswahlen in Rumänien, und referierte jetzt bei unserer Hochschulgruppe am 5. November 2025.

Im Rahmen des Workshops „Grundlagen der Wahlbeobachtung am Beispiel Moldau“ erhielten rund 35 Studierende einen Einblick in die verschiedenen Einsatzarten, Abläufe und Erfahrungen aus der Wahlbeobachtung. Fabian Jung teilte mit der Gruppe dabei nicht nur fachliche Hintergründe, sondern auch persönliche Eindrücke von seinen Einsätzen. Gemeinsam analysierten die Teilnehmenden den OSZE-Bericht zu den jüngsten Wahlen in der Republik Moldau und entdeckten dabei Hinweise, was gut und schlecht gelaufen ist. Doch wie sind solche Befunde einzuordnen?

 

Zunächst stellte Fabian Jung aber eine persönliche Frage: Im besten Fall haben wir alle schon von unserem Wahlrecht Gebrauch gemacht. Doch wer hat jemals selbst bei einer Wahl mitgeholfen? Nur wenige Studierende meldeten sich, woraufhin Jung augenzwinkernd hinzufügte: „Erfahrungen als Wahlhelfer:in sind ein eindeutiges Plus bei der Bewerbung auf eine Stelle in der internationalen Wahlbeobachung.“

 

Aber was genau machen Wahlbeobachter:innen eigentlich? Grundlegend geht es darum, die Qualität anhand internationaler Standards zu messen. Und das sowohl davor, während, als auch nach dem Wahltag. „Die wenigsten Unregelmäßigkeiten passieren tatsächlich am Tag der Wahl selbst“, erklärte Fabian Jung. „Meist treten sie schon viele Wochen früher auf. Beispielsweise durch mediale Beeinflussung. Deshalb sei es entscheidend, auch die Phase vor dem „Election Day“ im Blick zu behalten.

 

Diese Aufgabe übernehmen die Langzeit Beobachter:innen, die im Gegensatz zu den Kurzzeit-Beobachter:innen meist mehrere Wochen im Einsatz sind. Sie bestehen aus internationalen Beobachter:innen, die in Teams von zwei Personen arbeiten und von einer Assistenz und einem Fahrer bzw. einer Fahrerin unterstütz werden

„Assistierende Personen und Fahrer:innen sind wirklich das Nadelöhr unserer Arbeit“, betonte Jung. Ohne sie sei das Pensum gar nicht zu bewältigen.

 

Die intensive Zusammenarbeit im Duo kann dabei durchaus zur Herausforderung werden: „Man ist für die Zeit auf Gedeih und Verderb aneinandergebunden. Nichtsdestotrotz muss jeder Bericht im Konsens erstellt werden“, erinnerte sich Jung schmunzelnd. „Da kann es schon mal passieren, dass man sich intensiv über ein Komma streitet.“ Auch deswegen betont Fabian Jung immer wieder die Notwendigkeit einer einheitlichen, gemeinsamen Methodologie.

 

In einer typischen Einsatzwoche führen die Teams rund 20 Gespräche, sammeln qualitative und quantitative Daten und dokumentieren ihre Eindrücke. „Manchmal erzählen uns die Menschen vor Ort sogar mehr, als uns eigentlich lieb ist“, erzählte Jung. Ziel dieser Arbeit ist es, aus den Beobachtungen repräsentative Schlüsse zu ziehen, anhand derer sich mögliche Muster oder Unregelmäßigkeiten erkennen lassen.
„Toll, so einen Realitätsbezug von dem zu erleben, was wir auch an der Uni lernen. Statistik kann ja doch ganz interessant sein!“, meinte einer der Teilnehmenden am Ende des Workshops.

 

Rund einen Tag dauert die Zusammenfassung der Ergebnisse in einem Wochenbericht. Hinzu können außerdem immer Sonderaufgaben kommen wie die Beobachtung von Gerichtsverfahren und das Verfolgen von Beschwerden.

 

Wichtig sei laut Jung vor allem: „Wir bewerten jede Wahl neu, unabhängig von früheren Ergebnissen oder Bewertungen.“

 

Das war auch bei den Wahlen in der Republik Moldau im September 2025 der Fall. In Kleingruppen analysierten die Studierenden verschiedene Abschnitte des offiziellen Berichts und konnten mehrere Vergleiche zu demokratischen Grundsätzen ziehen. Wie können diese Feststellungen beobachtet werden? Und welche Relevanz haben sie für eine funktionierende Demokratie? Schnell befanden sich die Studierenden in einer lebhaften Diskussion über die Notwendigkeit einer freien Presse, einer breiten Parteienlandschaft und des fairen Umgangs der am Wahlkampf beteiligten Akteure miteinander.

 

Für kommende Wahlen hat Erfurt nun mit Sicherheit einige neue helfende Hände gewonnen. Die Hochschulgruppe Internationale Sicherheitspolitik Erfurt bedankt sich herzlich beim Zentrum für Internationale Friedenseinsätze für den wichtigen Beitrag zum Schutz der Demokratie und ganz besonders bei Fabian Jung für seinen Einsatz als Wahlbeobachter und Referent.

 

Egal ob auf lokaler, nationaler oder europäischer Ebene: Wahlen begegnen uns immer wieder. Sie sind der Moment, in dem wir alle die Möglichkeit haben, unseren demokratischen Anteil wahrzunehmen.

Umso wichtiger ist es, diesen Prozess und das Vertrauen in seinen Abläufen zu schützen. Nur so bleibt der Grundsatz erhalten, der jede Demokratie trägt: One person, one vote.